Teil 2 einer vierteiligen Serie von Luis Held zu Aufmerksamkeit, Ruhe und bewusstem Leben (Teil 1: „Attention Economy").
„Happy mind, happy life", heißt es treffend. Wir müssen es schaffen, unseren Kopf aus den Verstrickungen des Alltags zu lösen und in einen Zustand der Ruhe und Entspannung zu bringen. Es muss jeden Tag für eine längere Zeit auch einmal vollkommene Ruhe herrschen. Der Kopf ist nicht dafür gemacht, permanent im Kampf mit unendlichen Gedanken verstrickt zu sein. Er muss auch tagsüber Ruhephasen eingeräumt bekommen, ansonsten kommt es, wie bei jedem anderen Muskel, zu Überspannung und Auslaugung.
Die Antwort zur Lösung dieses Dilemmas findet sich in der Meditation. Meditation ist dabei sowohl im klassischen Sinne zu verstehen – in ruhiger Haltung, mit geschlossenen Augen, für 20 Minuten – als auch in einer leichteren Alltagsform als eine Art passiver Wachzustand. Wir sind wach, aber unser Kopf befindet sich im Ruhezustand: Wir konzentrieren uns zum Beispiel auf die Wellenbewegung eines Flusses oder richten den Blick starr auf einen Fleck an der Wand, oder wir gehen und achten ausschließlich auf die Bewegung, ohne Denkkapazitäten zu verschwenden.
Diese Zeit wird zur Muße für den Kopf. Der Kopf braucht auch Ruhe – verinnerlichen Sie diesen Satz! Er ist wesentlich und muss Sie im Alltag begleiten: Überspannen Sie Ihren Kopf, rächt er sich. Senken Sie im Alltag bewusst die Belastung für Ihren Kopf, und Sie haben mehr Energie.
Fakt ist: Ihr Gehirn beansprucht die meisten Kapazitäten. Genauer gesagt macht es nur 2 % unserer Körpermasse aus, verbraucht aber 20 % unseres Energiebedarfs. Es gilt, sich dessen im Alltag bewusst zu werden und den unendlichen Wellen an Gedanken und Sorgen Herr zu werden, indem wir bewusst abschalten. Es klingt wie eine hohle Phrase, ist aber wahr: Man kann sich sagen, ich mache jetzt einfach mal Ruhe im Kopf. Ich persönlich schließe meine Augen, fahre runter, merke, wie die Anspannung in meinem Körper – genauer gesagt in meinen Schultern – abnimmt, und stattdessen ein sanftes Lächeln sich auf meinem Gesicht breitmacht. Das ist pures Glück und Erleichterung zum Nulltarif. Wir müssen nur die Disziplin haben, uns im Alltag an die wesentlichen Aspekte zu erinnern, und die Disziplin, uns selbst gute Verhaltensweisen anzugewöhnen. Am schwersten ist es am Anfang, sich im Alltag wirklich daran zu erinnern, aber es wird einfacher, denn das Gehirn unterstützt positives Verhalten durch die Ausschüttung von Dopamin.
Probieren Sie es einmal aus: Schenken Sie sich selbst 30 Sekunden Ihrer Zeit – Augen zu, einatmen, ausatmen, an nichts denken, lächeln!
Diese Minipause wird Ihnen in Ihrem Leben so viel helfen, auch wenn es sich wie eine 08/15-Phrase anhört. Je länger und öfter Sie diese Pause einlegen, umso besser.
Nächste Woche, Teil 3: Stoizismus – Gelassenheit als Superkraft.


