Teil 3 einer vierteiligen Serie von Luis Held zu Aufmerksamkeit, Ruhe und bewusstem Leben (Teil 1: „Attention Economy", Teil 2: „Gedankenfreie Zeit").
Das Konzept des griechischen Philosophen Zenon von Kition, des Begründers der Stoa, ist ein Schlüssel der Menschheit, der seit Anbeginn der Antike aufzeigt, wie man das stürmische Grundwesen des Menschen reguliert. Das Prinzip ist denkbar einfach: Schlimme Dinge sind immer passiert und werden auch immer passieren, aber wir selbst können mit unserer Reaktion entscheiden, wie schlimm diese Dinge wahrlich sind oder eben auch nicht. Stellen Sie sich vor, Sie transportieren eine Vase, lassen sie aus Versehen fallen, und sie zerbricht in 10.000 Teile. Und nun? Wie reagieren Sie – fluchen Sie? Sagen Sie sich, das war ja klar, mir passiert immer nur Schlechtes? Suchen Sie die Schuld bei anderen? Schlagen Sie mit der Faust gegen die Wand? Nun, alles Reaktionen, die nicht unwahrscheinlich sind.
Der Stoiker antwortet mit einer Grundgelassenheit, sagt sich: „Ja, welch Malheur", und geht zurück in die Wohnung, um einen Kehrbesen zu holen. Er weiß: Egal was er macht, er kann die zerstörte Vase nicht mehr retten. Der Stoiker lässt die Emotionen beiseite, und mit diesem Vorgehen ist alles nur noch halb so schlimm. Die wilden, ungezügelten Emotionen führen einzig und allein dazu, dass man sich immer weiter ins Problem hineinredet, und genau das ist das Schädliche – wir steigern uns immer weiter hinein und lassen dem inneren Choleriker gänzlich freien Lauf. Wir laden uns mit dieser Reaktion mit unheilvoller Negativität auf, verlieren so unsere Energie und zerstören uns selbst diesen ansonsten schönen, gottgegebenen Tag. Aber zu welchem Zweck?
Was bringt es, nach der zerbrochenen Vase cholerisch zu werden? Wird davon die Vase wieder ganz? Bauen wir so Stress ab? Oder lassen wir so Wut ab? Das Gegenteil ist der Fall. Der Stoiker ist sich dessen bewusst und lenkt seine Energie stattdessen in die Schadensbegrenzung: Er sammelt die Scherben ein und bestellt im Internet eine neue Vase. Er lässt das ganze Drama weg und lernt daraus – er fragt beim nächsten Mal für den Transport um Hilfe und ist vorsichtiger. Seien Sie keine Feder im Winde des Alltags, seien Sie der Fels in der Brandung, den nichts aus der Ruhe bringt. Es ist, wie es ist, und es kommt, wie es kommt.
Nächste Woche, Teil 4: Vom Einfluss der Ernährung – warum Essen Ihr Treibstoff ist, kein Trostpflaster.


